Star Trek: Strange New Worlds – Staffel 4, Episode 1: „Valles Marineris“
Eine Rezension von charlyonthebridge
Freunde, es ist wieder so weit! Die neue 10-Episoden-Staffel von Star Trek: Strange New Worlds steht an. Ob sich das lange Warten tatsächlich gelohnt hat? Das erfahrt ihr wie immer völlig unverschönt von mir. Aber eines nehme ich direkt vorweg: Diese Crew der frühen Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike schickt sich an, nahtlos Legendenstatus zu erreichen. Wir sind hier Zeitzeugen einer Serie, die in dieser Qualität so schnell nicht wieder reproduzierbar sein wird.
Willkommen zum Beginn von etwas ganz Großem!
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Westeros auf dem Mars? Der Auftakt
Da Christina Chong im Vorfeld bereits fleißig verlauten ließ, dass Staffel 4 das Beste sei, was bisher gedreht wurde, war ich skeptisch: Reiner Promo-Spruch oder Wahrheit? Ich kann euch beruhigen: Wir beide sollten recht behalten!
Der Auftakt lässt sich inszenatorisch mit einem einzigen Wort beschreiben: GRANDIOS. Schon in den ersten Sekunden wird klar, dass die allgemeine Inszenierung reifer, ja geradezu kinoreif daherkommt. Die Kamera blendet aus dem Schwarz ein und zeigt uns Pferde. Richtig gehört: Pferde! Geritten vom Außenteam Pike, La’an und M’Benga auf einem Planeten, der aussieht wie eine erstaunlich bewohnbare Marslandschaft. Ein Ort, an dem man eigentlich nichts tun kann, außer der Lieblingsbeschäftigung des Captains nachzugehen: Reiten in vollen Zügen.
Ich sehe hier wirklich wunderschön eingefangene Bilder. Und gerade als ich dachte: „Okay, die erste Episode startet also im Cowboy-Genre“, war die Außenmission auch schon wieder vorbei. Ich bin im positivsten Sinne sprachlos! Man hat sich hier allen Konventionen zum Trotz entschieden, dieses aufwendige Setting und die sehenswerten Outfits ausschließlich für die allererste Minute zu nutzen, um uns Zuschauern epische Bilder zu liefern. Das ist ein echtes Statement nach dem Motto: Wir machen das nicht, weil wir müssen – sondern einfach, weil wir es können! Ich sage Ja zu diesem Mut und Danke für diesen grandiosen Einstieg.
Flirts, Frequenzen und furchtbare Flötentöne
Die Crew wird hochgebeamt. Wir sehen Ehrenmann Scotty, der in dieser Staffel erfreulicherweise sehr viel mehr Raum bekommen soll. Und dann ist da Spock, der sich anscheinend immer noch im 24/7-Pon-Farr-Modus befindet: Nach einem kurzen Flirt mit La’an und einer überspitzten Bemerkung zu ihrem Cowboy-Hut (die mindestens so spitz war wie seine Ohren) wird er von ihr Richtung Quartier begleitet. Eindeutig ist hier zweideutig! Der Hut steht ihr allerdings so gut, als hätte sie nie etwas anderes getragen – und man sieht beiden Darstellern an, dass es auch privat ordentlich harmonieren dürfte.
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Kurz darauf folgt ein ruhigeres Gespräch zwischen Pike und Una. Es geht um die Zeit, um Pikes Vergangenheit und die Gewissheit, dass seine Zukunft – egal was passiert – in Stein gemeißelt ist. Leider wissen wir als Zuschauer das auch, und ich persönlich kann diesen Umstand bei Weitem nicht so gut verdrängen wie der Captain selbst. Pike soll übrigens befördert werden! Ich persönlich würde das sehr begrüßen, da die neue, alternative Admirals-Uniform verdammt gut aussieht. Allerdings ist Pike zwiegespalten und möchte sich das Ganze erst einmal durch den Kopf gehen lassen.
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Im Maschinenraum nervt Ortegas die Arbeitsweise von Scotty, während Uhura extrem abgelenkt wirkt: Sie soll als Mentorin für die vulkanische Kadettin S’Sha fungieren. Eine Vulkanierin wie aus dem Bilderbuch – inklusive einer gigantischen Prise Arroganz. Ich prophezeie jetzt schon: Das wird in dieser Staffel noch für einige sehr humorvolle Momente sorgen!
Kategorie 10 und Kopfschmerzen
Der Admiral schickt die Crew auf eine gelinde gesagt ungewöhnliche Mission, die aber scheinbar notwendig ist. (Oh Mann, warum das so ist, erfahren wir erst später!) Die Enterprise wird zu einem interstellaren Sturm der Kategorie 10 entsandt, da dieser im Alpha-Quadranten äußerst selten vorkommt.
Und gerade als ich an nichts Böses dachte, fängt Commander Pelia an, etwas völlig sinnlos Verworrenes in den Besprechungsraum zu faseln. Und das mit einer Stimme, die mich glatt klingonische Opern vermissen lässt! Bei jeder Szene mit ihr frage ich mich ernsthaft: Wer hat diesen Charakter eigentlich auf ein Sternenflottenschiff gelassen? Ich war es definitiv nicht! :) Wenn sie spricht, klingt das für mich persönlich wie eine Gabel, die man über eine Schultafel zieht... UNANGENEHM.
Dass diese Mission keine reine „Wir schauen uns mal ein Phänomen an“-Sightseeing-Tour wird, ist klar. Natürlich geht mächtig etwas schief – obwohl das natürlich immer im Auge des relativierenden Betrachters liegt.
Zeitsprung mit Hindernissen
Wir bekommen eine fantastische Einstellung zu sehen: Die Kamera zoomt erst nah an den interstellaren Sturm heran, nur um dann aus dem Auge von Captain Pike herauszuzoomen. Der Sturm spiegelt sich lediglich in seinen Augen wider, während er ihn auf dem Schirm begutachtet. Wieder einmal eine absolut großartige Inszenierung!
Es folgen wunderschön animierte Bilder dieses Weltraumsturms. Nur unsere vulkanische Kadettin hat natürlich wieder etwas zu meckern und deutet mit einem trockenen „Digitale Daten sind viel relevanter“ auf die gewohnt arrogante Kälte ihres Geistes hin. Uhura versucht wacker, sich zurückzuhalten, aber ich sehe den inneren Vulkan sprichwörtlich schon brodeln.
Und plötzlich passiert es: Die Enterprise empfängt das Comm-Signal einer Barke direkt aus dem Inneren des Sturms – was physikalisch eigentlich unmöglich ist. „MAYDAY!“, meldet Uhura. Die ungläubige Crew gibt alles, um nicht selbst vom Phänomen verschlungen zu werden. Sehr schöne Animationen zeigen uns die unausweichliche Gewissheit: Die Enterprise wird vom Sturm verschlungen und wieder ausgespuckt. Die Frage, die nun im Raum steht, lautet nicht Wo?, sondern WANN?
Der Hauptantrieb ist down, die Systeme funktionieren gerade noch so. Immerhin: Ein Shuttle ist voll funktionsfähig! Das Außenteam – bestehend aus Una, La’an und Ortegas – macht sich auf den Weg zum nächstgelegenen Planeten, um Iridium zu beschaffen.
Willkommen im Jurassic Park!
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Und wieder haben sich die Macher nicht lumpen lassen! Was wir nach der Landung des Shuttles zu sehen bekommen, ist ein wunderschöner, scheinbar unbewohnter Planet mit einem majestätischen Vulkan und einer atemberaubenden Landschaft. Doch der Tricorder erfasst Lebenszeichen. GROSSE Lebenszeichen.
Tja, was soll ich sagen? Willkommen im Jurassic Park! (Klar, mit etwas weniger Park, dafür verdammt viel Jurassic). Und wo wir gerade bei Jurassic Park sind: Rest in Peace, Sam Neill. So viel Zeit muss an dieser Stelle einfach sein!
Der Planet ist durchzogen von Dinosauriern in ihrer absoluten Blütezeit. Schade nur, dass Rebecca Romijn diese Szenen schauspielerisch etwas belanglos runterspielt. Ein bisschen mehr Staunen, etwas mehr Lebendigkeit im Gesicht hätte der Szene gutgetan. Aber in Anbetracht der atemberaubenden visuellen Dimension bleibt das nur ein klitzekleiner Nebenschauplatz meiner Kritik.
Nebenbei wird die Enterprise ordentlich durchgeschüttelt – oder zumindest wird Scotty im Maschinenraum gehörig durchgeschüttelt. Und ich kann es kaum glauben: Das alles passiert bereits VOR dem Vorspann! 🔥
Transphase und Tyrannosaurus
Die Enterprise wird plötzlich von einem unbekannten Schiff in einer Art Traktorstrahl-Blase festgehalten. Pelia versucht mal wieder, sich auf der Brücke etwas zurechtzustammeln, was ohnehin jedem klar ist (völlig nutzlos auf der Brücke, die Gute).
Pike reißt sich zusammen und versucht im besten Sternenflotten-Stil per Diplomatieweg zu retten, was zu retten ist: „Uhura, öffnen Sie einen Kanal!“ Der Erfolg ist allerdings zweifelhaft. Die Widersacher wollen keine Verhandlungen, sondern erst einmal die Waffen der Enterprise begutachten – gewissermaßen als Zeichen des Willkommens. Spock vermutet, dass dieses Schiff einer Spezies gehört, die noch nicht über den Warp-Antrieb verfügt. Es gelten also besondere Auflagen im Umgang (Hauptdirektive lässt grüßen). Schlicht großartig ist aber, dass hier – gerade von Pike und gerade in unserer heutigen Zeit – explizit darauf hingewiesen wird, dass MITEINANDER REDEN der einzige Ausweg für ein friedliches Miteinander ist.
Dann die Schockdiagnose von Spock: Die Enterprise wurde 65 Millionen Jahre in die Vergangenheit geschleudert – mitten ins Sol-System! Das Außenteam befindet sich also auf der Erde der Kreidezeit. Ein fantastisch animierter T-Rex unterstreicht diese Tatsache bildgewaltig. Ich bin wirklich froh, dass hier extrem viel Wert auf hochwertige CGI-Effekte gelegt wurde.
Una hat die glänzende Idee, den Kampf gegen den T-Rex mit modifizierten Phasern aufzunehmen. Ich kommentiere das an dieser Stelle einfach mal ganz vulkanisch: Faszinierend... 🤨 Klar ist: Das einheimische Leben darf unter keinen Umständen verletzt werden, da dies sonst die Zukunft beeinflussen könnte (was im Hinblick auf das Ende der Folge zu einem genialen Insider-Joke mutiert).
Währenddessen wartet Captain Pike im Transporterraum vergebens auf den angekündigten Besuch. Die Gäste verfügen nämlich erstaunlicherweise über eine Transphasen-Technologie (zuletzt gesehen bei Sektion 31, hier aber wesentlich schlauer eingesetzt) und spazieren einfach nach Belieben durch die Schiffshülle der Enterprise. Das alte Spiel beginnt: Freund oder Feind?
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Auf dem Planeten stellen sich Una und ihr Team dem 1-gegen-1 mit dem T-Rex. Ein gezielter Schuss ins Gaumensegel später liegt der Koloss am Boden. Hätte man das noch spannender und mit mehr Gefahr für die drei inszenieren können? Ja. Aber verdammt, es sieht einfach so gut aus, dass diese Kritik genauso liegen bleibt wie der betäubte Dino! 🦖
Zuckerbrot, Peitsche und Anson Mounts Genie
Captain Pike befindet sich inzwischen im Dialog mit Battle Commander Cassell, einer marsianischen Militärstrategin – diesmal auf der Krankenstation. Alles in allem sind diese Dialoge wie gemacht für Star-Trek-Neueinsteiger: Pike und seine Offiziere erklären punktgenau, was die Sternenflotte eigentlich ist, wofür sie steht und was sie ausmacht. Es fühlt sich an wie der Versuch, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen und gleichzeitig Neulinge an die Hand zu nehmen: „Hey, das könntet ihr sein! Falls ihr noch nicht versteht, was Star Trek ausmacht – wir erklären es euch Schritt für Schritt.“
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Und dann kommt SIE: Die Szene, die mir wie so oft zeigt, warum Anson Mount einer der besten Schauspieler unserer Zeit ist. Er hat nicht nur die Fähigkeit, jedem Charakter Leben einzuhauchen, sondern er kann allein mit seiner Mimik und Gestik Dinge ausdrücken, die keiner Worte bedürfen. Man kann die Gedanken förmlich in seinem Gesicht ablesen! Was ihn so einzigartig macht, ist die authentische Darstellung tiefster, unterdrückter Gefühle, die immer wieder an die Oberfläche drängen. In dieser Hinsicht erlebt Anson Mount mit der Verkörperung von Pike zweifellos seinen zweiten Frühling.
Spock rechnet unterdessen vor: Um zurück in die Zukunft zu gelangen, benötigt die Enterprise das Energieäquivalent einer Supernova.
Insekten, Raptoren und Zeitparadoxa
Der marsianische Besuch – mit dem man sich eigentlich schon fast versöhnt hatte – befindet sich seit Jahrzehnten im Krieg mit einer insektenartigen Spezies namens Dol’drm. Und plötzlich entwendet die Marsianerin wie aus dem Nichts eine Treibstoffzelle aus dem Maschinenraum! Pike ist geschockt, aber selbst die besten Worte der Diplomatie können diesen Diebstahl nicht aufhalten: Aus Sicht der Marsianer muss dieser Krieg gewonnen werden, um die eigene Existenz langfristig zu sichern.
Das Außenteam findet derweil ein abgestürztes Raumschiff samt dem benötigten Iridium. Doch bevor sie verschwinden können, steht plötzlich ein Raptor vor La’an! Die Antwort von La’an? Der Saurier wird mit einem gekonnten rechten Haken abserviert! Später auf der Krankenstation stellt sich zwar heraus, dass La’ans Hand danach gebrochen ist, aber das kümmert sie wenig. Ihre Zukunft wird sicher wild – und der Zorn des Khan lässt schon jetzt herzlich grüßen!
Mit dem Iridium schafft es die Crew, die Systeme der Enterprise wieder hochzufahren. Pike versucht nun verzweifelt, die Vernichtung der Dol’drm zu verhindern – jedoch vergebens. Der Planet wird zerstört. Und obwohl Pike das Schiff der Marsianer mühelos hätte vernichten können, entscheidet er sich in letzter Sekunde dagegen.
Der Zwiespalt ist greifbar: Auf der einen Seite will Pike nicht in den Lauf der Zeit eingreifen. Auf der anderen Seite stellt die schiere Anwesenheit der Enterprise in der Vergangenheit bereits einen Zeiteingriff dar. Doch Pike hört auf seine Intuition. Er erkennt intuitiv das Paradoxon, das sich auf einer Metaebene perfekt mit seinem eigenen Schicksal spiegelt, das in der Zukunft auf ihn wartet.
Die Enterprise nutzt schließlich die freigesetzte Energie der Planetenzerstörung, um katapultartig in ihre angestammte Zeitlinie zurückzukehren.
Das Bootstrap-Paradoxon
Zurück in der Gegenwart stellt Spock fest: Ein Bruchteil des explodierenden Planeten brachte genau jenen Kometen hervor, der einst auf der Erde einschlug, die Dinosaurier auslöschte und so überhaupt erst die Evolution der Menschheit ermöglichte!
Ein klassisches Bootstrap-Paradoxon: Hätten die Marsianer nicht die Antimaterie der Enterprise gestohlen, den Planeten der Dol’drm zerstört und ihr eigenes Schiff geopfert, hätte die menschliche Evolution so nie stattgefunden. Und die Enterprise hätte niemals in die Vergangenheit reisen können, um diesen Prozess überhaupt erst auszulösen!
Am Ende schlägt Pike seine Beförderung schweren Herzens (aber bestimmt) aus. Durch das Erlebte und die erneute Gewissheit über seine eigene Zukunft sieht er es als zwingend notwendig an, der Zeit ihren Lauf zu lassen. Manchmal muss man sich dem Unausweichlichen schlicht fügen.
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Ein großartiger, bildgewaltiger, moralisch und philosophisch anspruchsvoller Start in eine Staffel, die wir so schnell sicher nicht vergessen werden! Alles, was Star Trek ausmacht und jemals ausgemacht hat, steckt in dieser ersten Episode. Auch Gene Roddenberry hätte diesen Auftakt garantiert in vollen Zügen genossen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Schicksal und Zufall sind am Ende ein und dasselbe. Ich finde es absolut genial – und als Trekkie kann ich es mit liebender Begeisterung annehmen –, dass der Ursprung unserer gesamten menschlichen Existenz ausgerechnet der Enterprise zu verdanken ist.
Ein faszinierendes Trek-Paradoxon!
LLAP
Die vierte Staffel von "Star Trek: Strange New Worlds" läuft wöchentlich auf Paramount+.
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