60 Jahre Star Trek – ein kleines Geschenk von Fans für Fans
Sternzeit 1990.7
Mit zarten 14 Jahren hatte ich grad das frisch erhaltene blaue Hemd der FDJ abgelegt und die aufregende Zeit der Wende erlebt. Autostaus Richtung Westen mit Geschenken, neue tolle Autos und alte wie neue Familie, die wieder zueinandergefunden hatten. Vom Begrüßungsgeld kaufte ich mir damals in Lübeck die Chronik des 20. Jahrhunderts. Welche Seite hatte ich dann zuerst nachgeschlagen? 1912 – Der Untergang der Titanic, Vulkanausbrüche, Erdbeben. Ich hatte viele wissenschaftliche Interessen wie Vulkanologie, Seismologie und Astronomie, die einem gewissen Vulkanier vielleicht sogar imponiert hätten, doch er kannte mich nicht. Und ich kannte ihn noch nicht.
Ich hatte damals auch schon ein erstes Refraktor-Teleskop und war sehr an Astronomie interessiert – nicht so sehr wie heute mit eigener Sternwarte, aber dennoch neugierig. Auch jegliche Art von Technik hatte mich in der Jugend immer interessiert. Ich fuhr schwarz Moped, war in der Foto-AG, lernte Negative zu entwickeln und schließlich lernte ich die Welt der Computer zu lieben. Der C64 zog in mein Zimmer ein, natürlich noch zum Spielen. Es war einfach eine gute, unbeschwerte Zeit mit vielen schönen Erinnerungen.
Dann eines Nachmittags schaltete ich das endlich erlaubte ZDF am neuen Farbfernseher ein (als hätten wir es die Jahre zuvor nicht auch schon immer heimlich gesehen) und plötzlich war da was Neues, das mich völlig in seinen Bann zog: Star Trek – Das nächste Jahrhundert. The Next Generation. Doch nicht nur das: Auch Star Wars war für mich völlig neu, spannend und actionreich, doch es reichte für mich niemals an die Enterprise-D heran. Gebannt wartete ich jede Woche auf die nächste Folge und wurde Fan der Serie. Aber ich wurde noch etwas anderes: Ein Fan der Science-Fiction. Star Trek war nicht das einzige Franchise, das mich in seinen Bann zog. Ebenso fasziniert und schockiert saß ich eines Abends auf der Couch, nachdem ich Ridley Scotts Meisterwerk Alien gesehen hatte. Ich war wie paralysiert. Sowas wollte ich eines Tages auch erschaffen.
Irgendwann … (sorry, aber das ist einfach schon ewig her) … bemerkte ich, dass es schon eine viel ältere Star Trek-Serie gab. Aber mein Herz hatte ich da schon längst an TNG verloren und die Classic-Serie war mir zu bunt, kitschig und altbacken. Ebenso wie Raumschiff Orion wollte mich das alte Design einfach nicht überzeugen. Das änderte sich allerdings, als ich die tollen Kinofilme, allen voran „Der Zorn des Khan“, dann Teil 3 und schließlich „Zurück in die Gegenwart“ sah. Videotheken erlaubten es, all die SF-Klassiker und Meilensteine nachzuholen, die uns all die Jahre verwehrt geblieben sind. Nachträglich und etwas spät zündete dann doch der Funke für die erste Original-Crew und ich lernte ebenso die alten Charaktere zu lieben.
Sternzeit 2026.9
Heute, gut 35 Jahre später, feiert Star Trek inzwischen seinen 60. Geburtstag und hat seine Bedeutung noch lange nicht verloren. In einer Zeit des Umschwungs und weltweiter Veränderungen ist Star Trek noch immer ein Leuchtturm einer überwiegend positiven Utopie. Eine Zukunft, die ich gern mit eigenen Augen sehen würde. Eine Vision, die ich immer wieder gerne besuche. Aber ich gebe es auch zu: Ich mag auch sehr düstere Science-Fiction.
In den vergangenen Dekaden broughte uns Star Trek viele neue Serien, Filme, Raumschiffe und Crews. Nicht jede Serie oder jeder Film hatte den gleichen Impact wie damals. Teilweise kämpft Star Trek heute sogar um seine Identität. Mich selbst begeistern Star Trek II, VI und TNG samt der vier Kinofilme mehr als manch neue Konzepte. Dennoch freue ich mich immer wieder auf Strange New Worlds, neue Horizonte und neue Abenteuer mit der Sternenflotte.
Außerdem hat sich seit damals viel getan. Manchen beliebten Darstellern habe ich auf der FedCon direkt gegenübergestanden und sogar die Hand geschüttelt. Nur bei Q habe ich mich nicht getraut. Ich habe das Space Shuttle Enterprise auf der Intrepid in New York berührt. Dünne Tablets haben unsere Wohnstuben erobert, ganz ohne Stapel zu bilden. Ich geb’s zu: Dafür bin ich ein absoluter Tab-Messie. Wir können sogar virtuell in VR den Dienst auf den Brücken diverser Raumschiffe antreten. Man kann sogar die uralten, herrlich bunten, unbeschrifteten Knöpfe der NCC-1701 drücken. Und die Okudagramme der Enterprise-D! Picards Enterprise NCC-1701-D!!!!! Nur das Beamen oder der Warpantrieb bleiben uns noch für eine Zeit verwehrt. Schade.
Die Luft angehalten habe ich, als William „Kirk“ Shatner mit der Rakete New Shepard einen Suborbitalflug machte. Ich habe es ihm gegönnt. Wie cool das war. Ein Traum für jeden Trekkie und SF-Nerd wie mich. Ich hätte es auch allen anderen Star Trek-Größen gegönnt: Pille, Spock und Scotty. Aber ich hätte es Bezos nie verziehen, wenn das schiefgegangen wäre. Zum Glück landete Kirk wieder wohlbehalten zurück auf der Erde. Und was macht die coole Rampensau Shatner nun? Heavy-Metal-Auftritte auf der Bühne? Mit 95. Wahnsinn. Genial.
Und was ist aus der Idee des 14-Jährigen geworden, auch so etwas zu erschaffen? Eine eigene Science-Fiction-Welt, die mich so packt, wie mich damals Star Trek oder Alien mitgerissen haben? Nun ja … meine Star Trek-Idee der Jugend habe ich irgendwann verworfen. Dennoch hatte ich Jahre später eine solch packende Idee, die mich jahrelang so fasziniert und nicht mehr losgelassen hat, dass ich sie niedergeschrieben habe. Erst als Drehbuch, dann als Roman. Manchmal muss man einfach was riskieren. Wer interessiert ist, darf gern wie Sherlock Data Holmes beim großen A unter meinem Namen danach recherchieren. Ihr werdet die 6 Bände schon finden. Es lohnt sich.
Was ich mir von Star Trek als Nächstes wünsche, ist wieder ein richtig toller Kinofilm. Mit Herz und Seele, mit Wissenschaft und Spannung, Action und Abenteuer. Vielleicht mit einer neuen Crew, vielleicht ganz anders, vielleicht etwas geerdeter zurück zu den Wurzeln und zugleich etwas Neues. Gebt uns nicht immer das Gleiche. Am liebsten wünsche ich mir das 25. und 26. Jahrhundert.
Seid Ihr auch so gespannt, was unsere Zukunft bringt? Sowohl unsere eigene als auch die von Star Trek? Ich bin es. Da ich aber leider keine Zeitmaschine habe wie Doc Brown und nicht in die Zukunft sehen kann, schaue ich mit meinen Teleskopen gern in die Vergangenheit unseres Universums, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. … Bisher …
Christian Klemkow
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