Februar 2026 - Rückblick
Freunde der gepflegten Subraum-Anomalie, es ist wieder Donnerstag. Zeit für die achte Episode von Starfleet Academy. Das Thema heute: "The Life Of The Stars". Und ja, ich gebe es zu – ich saß vor dem Schirm wie ein Ferengi vor einem herrenlosen Goldgepressten Latinum-Barren, denn der Holo-Doc sollte endlich den verdienten Fokus bekommen. Doch wie so oft im 32. Jahrhundert: Die Frequenz stimmt, aber die Phase ist instabil.
Die Folge beginnt atmosphärisch. Der Doctor betrachtet allein den Sonnenaufgang. Ein Mann (oder ein Programm), das seit 800 Jahren läuft. Er philosophiert über die Zeit als "Schreckgespenst". Ein schöner Moment, wäre da nicht das Problem, dass die Autoren scheinbar vergessen haben, dass 800 Jahre Erfahrung eigentlich zu Weisheit führen sollten und nicht zu der emotionalen Hilflosigkeit eines Kadetten im ersten Semester.
Tarima ist zurück. Koma überstanden, aber das seelische Äquivalent eines Warpkernbruchs ist geblieben. Die Überschrift der Folge ist fettgedruckt: TRAUMA.
Die Kadetten leiden nach dem Myasaki-Unglück an emotionaler Dysregulation – auf Deutsch: Sie gehen sich an die Gurgel, sobald die Simulation schwierig wird. Nala Ake erwähnt beiläufig, dass die Therapie nicht ausreicht. Hier ist die erste vergebene Chance: Anstatt uns eine tiefe, psychologische Sitzung mit einem Counselor zu zeigen, die die individuellen Nuancen von PTBS beleuchtet, bekommen wir... Theaterunterricht. Es kann schon sein dass Shakespeare Narben heilen kann, die ein explodierendes Raumschiff hinterlassen hat dennoch hätte ich mir etwas mehr erwartet, einfach etwas mehr.
Der Doc und die Kanzlerin suchen Hilfe bei – haltet euch fest – Sylvia Tilly. Ja, die Frau, die in Discovery oft so wirkte, als hätte sie zu viel terranischen Espresso konsumiert.
Bevor sie auftritt, gibt es Smalltalk über ins Klo gefallene Zahnbürsten und Weltraum-Grippe. Sympathisch? Vielleicht. Für die Jungend? 100 Pro! Logisch? Im 32. Jahrhundert, in dem wir Programmierbare-Materie-Replikatoren, Frei Stehende Warpgondeln, Schallduschen, die wahrscheinlich ganze Badezimmer in Sekunden desinfizieren können, wirkt das wie ein Relikt aus dem 21. Jahrhundert. Aber hey, wir sitzen ja auch auf Holzbänken. Retro-Charme, Provokation, Genialität oder kreative Faulheit? Entscheidet selbst.
Tilly leitet nun einen Theaterkurs (Our Town / Unsere kleine Stadt). Überraschung: Sie wirkt tatsächlich gereift. Weniger nervöses Gebrabbel, mehr Substanz. Sam (unsere photonische Kadettin) und Tilly sind sofort auf einer Wellenlänge – "Lieblingskadett", ihr wisst schon. Während Sam über die Manifestation der Wirklichkeit philosophiert (was für junge Zuschauer fast schon zu tief geht), sehen wir bei Tarima nur Leere. Depression trifft auf Sams Systemfehler. Beides ist kaputt, nur auf unterschiedlichen Ebenen.
Dann der Lichtblick: Jett Reno trifft auf Tilly. Ein Aufeinandertreffen, das mein kaltes Trekkie-Herz erwärmt. Reno haut den Satz der Folge raus:
„Nicht die Last ist es, die dich bricht, sondern die Art, wie du sie trägst.“
Das ist echtes Star Trek. Tiefgang ohne Schmalz. Schade, dass danach wieder das Teenie-Drama zwischen Tarima und Caleb folgt, das sich im Kreis dreht wie eine defekte Untertassensektion.
Sam bricht zusammen. Ihr Programm kollabiert. Und jetzt wird es wild: Der Doctor – mit 900 Jahren auf dem Buckel, der Mann, der die Crew der Voyager durch die Borg-Wüste geführt hat – ist ratlos? Er braucht die Hilfe der Schöpfer auf KASQ.
Ab ins Shuttle (optisch eine Wucht, das muss man ihnen lassen). Wir erfahren: 3 Tage Erde = 5 Jahre KASQ. Interstellar lässt grüßen.
Der Doc erwähnt Gotana aus der ca. 26 Jahre alten Voyager-Folge "Es geschah in einem Augenblick". Ein Gänsehaut-Moment für Fans, der sofort durch einen Rechenfehler ruiniert wird. Der Doc behauptet, er hätte dort eine ganze Lebensspanne verbracht. In der Originalfolge waren es ca. drei Jahre. Warum recherchiert das niemand? Die Shuttle-Reise wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, in die 800-jährige Einsamkeit des Doctors einzutauchen. Stattdessen wirkt er fast schon ignorant gegenüber Sams Leid. Ein reifes Bewusstsein sieht anders aus.
Während Tarima sich auf der Erde die Kante gibt (Genesis-Soundtrack und Last of Us-Gitarren – fühlte sich mehr nach HBO als nach Sternenflotte an), erreichen wir KASQ. Alles wird Schwarz-Weiß. Stilistisch ein Kunstwerk, aber die recycelten Academy-Kulissen hätten durch Fluiden Raum (8472) ersetzt werden sollen. Ich denke mir dann meisten Low Budget cool aber warum muss es so offensichtlich sein?
Sams Schöpfer wollen sie aufgeben. "Irreparabel". Doch dann zieht der Doctor sein emotionales Ass: Er spricht über seine Holo-Familie aus der Voyager-Folge "Das wirkliche Leben". Der Tod seiner Tochter wird zum zentralen Trauma stilisiert. Ein emotionaler Monolog später die Erkenntnis: Sam fehlt die Kindheit, die Resilienz um die Vielzahl ihrer erlernten Emotionen wahrhaftig einordnen zu können.
Die Lösung: Der Doc wird Vaterersatz. Sie simulieren, mehr oder weniger, 17 Jahre auf KASQ, während auf der Erde nur ein paar Wochen vergehen. Sam kehrt geheilt zurück mit zwei gelebten Erinnerungen. Happy End?
Die Folge ist philosophisch wertvoll, aber sie krankt an ihrem eigenen Erbe. Wenn Robert Picardo den Doctor als den "Yoda des Star Trek Universums" bezeichnet, dann erwarte ich Yoda-Weisheit.
Stattdessen bekommen wir einen Doctor, der wirkt, als hätte er die letzten 800 Jahre im Standby-Modus verbracht. Wo ist der Hinweis auf die Voyager-Crew? Sein wahres Trauma ist nicht nur eine verstorbene Holo-Tochter aus einer Simulation, sondern der Verlust von Janeway, Chakotay, Tuvok, Tom, B'Elanna und Seven. Das Schweigen darüber macht die Figur flach und unnötig, für den Handlungsbogen, instrumentalisiert.
Es ist eine gute Folge für Jugendliche, die lernen müssen, über ihren Kummer zu sprechen. Aber für uns Alt-Trekkies bleibt ein fader Beigeschmack. 800 Jahre Stillstand sind für einen Charakter wie den Doctor der sich in Voyager mehr als entwickelte und auch in Star Trek Prodigy einen erkennbaren Sprung machte, einfach zu wenig und unlogisch.
Ich schließe mit Thornton Wilder und einem Hauch Reno-Zynismus:
„Erkennt irgendein Mensch das Leben, während er es lebt?“
Und: „Jede Beziehung geht mal durch ne Krise, Kid. Wenn du das nicht kennst, dann weißt du nicht, was Liebe ist.“
LLAP
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