Star Trek: Strange New Worlds – Staffel 4, Episode 10: „Die Enterprise von Morgen“ — charlyonthebridge rezensiert
charlyonthebridge
Freunde, wir sind nun am Ende der vierten Staffel angelangt.
Obwohl ich diese Season mehr als durchwachsen fand, bricht es mir das Herz, schon an dieser Stelle das Staffelfinale mit dieser Rezension zu beschließen. Ob dieses Ende eine Vollkatastrophe wird oder der erhoffte Hoffnungsschimmer für Staffel 5, erfahrt ihr jetzt!
Der Auftakt: Ein weißes Loch und ein wohlverdienter Mittelpunkt
Zu Anfang sehen wir, wie immer, einen kurzen Rückblick aus vergangenen Staffeln. Für diese finale Episode entschloss man sich, Uhura den wohlverdienten Mittelpunkt zu geben. Ich halte das für eine weise Entscheidung, da ihr klassischer Charakter alles mitbringt, um den wahren Geist von Star Trek zu verkörpern und lebendige Erinnerungen an eine längst vergessene Ära wachzurufen.
Wir starten mit epischen Bildern: der Blick auf ein weißes Loch mitten im Weltraum, welches die Enterprise unter dem Einsatz einer Sonde untersuchen möchte. Uhura materialisiert sich in ihrer ersten Szene im wunderbar gestalteten Maschinenraum, wo Scotty auf sie wartet. Er scheint ein gewisses Interesse an mehr Nähe zu zeigen, doch Uhura gibt sich ganz der Arbeit hin – weshalb es erst einmal nichts mit dem Drink zu zweit wird.
Im Grunde genommen zeigen mir diese ersten Minuten genau das, worauf ich neun Folgen lang gewartet habe – zum Glück! Kurz darauf empfängt Uhura auf der Brücke ein seltsames Audiosignal. Die Enterprise wird von einer Art Impuls unbekannter Wesen getroffen, und der beschädigte Warpkern macht das Schiff sofort manövrierunfähig. Uhura wird bei dem Aufprall am Kopf verletzt und wirkt danach desorientiert – oder sollte ich viel lieber „phasenverschoben“ schreiben? Sie hört Scotty um Hilfe rufen: Ist das etwa eine Halluzination?
In der Krankenstation gibt es jedoch Entwarnung: kein Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Alles, was hier in den ersten Minuten inszeniert wurde, ist von Sekunde eins an mitreißend. Ich freue mich schon jetzt darüber, dass die Charaktere so dargestellt werden, wie es ursprünglich gedacht war.
Zeitreisen, Kausalität und das Spiegelbild aus der Zukunft
Vertrauensvoll sucht Uhura das Gespräch mit La’an, die sich bekanntermaßen bestens mit temporalen Ereignissen auskennt. La’an merkt richtigerweise an, dass alles nur noch schlimmer wird, wenn man versucht, die Zukunft zu verändern – viele Filme und Serien geben ihr darin recht. Ihr Tipp: Die Ortung des Ziels kann mehr Informationen liefern. Also macht sich Uhura auf die Suche, empfängt ein Sternenflotten-Com-Signal und nimmt plötzlich Verbindung zu sich selbst auf: zu einer Uhura aus der Zukunft, die wir bereits aus TOS kennen.
Nach dem Intro sehen wir die andere Seite des weißen Lochs: eine Art Neubeginn. Diesmal blickt die zukünftige Crew auf ein wirklich sehr schön animiertes schwarzes Loch. In dieser Zukunft sind Scotty und Uhura bereits ein Paar, und das Kommando über die Enterprise hat natürlich James T. Kirk. Uhura und Scotty wollen mit einem Shuttle das schwarze Loch erforschen – natürlich mit der scheinbar besten Pilotin der Sternenflotte, Ortegas.
Im Gespräch mit Scotty fällt der Name „Pille“, der im Anschluss auf das Schiff kommen wird, sobald M’Benga auf Vulkan ein dauerhaftes Zuhause findet. Scotty kommentiert treffend: „Nichts bleibt, es ist.“ Alle drei machen sich auf den Weg, und wir bekommen genau das, was eine gelungene Shuttle-Mission ausmacht: flotte Sprüche und wunderschöne Kulissen.
In der gesamten Episode wird in Gesprächen immer wieder darauf hingedeutet, dass das Hier und Jetzt trotz aller Zeitreisen als wichtigster Maßstab angesehen werden muss. Diese Sichtweise hilft zweifellos dabei zu erklären, wie das, was in Strange New Worlds und insbesondere mit den Charakteren angestellt wurde, am Ende doch noch kanongerecht in The Original Series übergehen kann.
Ursache und Wirkung in Echtzeit
Dann wird das Shuttle getroffen, und Uhura ereilt dasselbe Schicksal wie auf der anderen Seite: Sie wird umgeworfen und materialisiert sich sichtlich verwirrt im Transporterraum. Sie versucht, ihre nach wie vor in Gefahr schwebenden Freunde herauszubeamen. Kirk und Spock im Maschinenraum wundern sich jedoch, denn laut ihnen ist Scotty bereits seit einem Jahr tot und Ortegas gar nicht mehr auf der Enterprise.
Es kommt zu dem bereits bekannten Austausch: Beide zeitverschobenen Uhuras sprechen miteinander und versuchen, den nahenden Tod von Scotty in der Vergangenheit zu verhindern. Uhura sucht Spock in beiden Zeitrahmen auf, um die Quantenverschränkung umzuwickeln. Das ist absolut spektakulär, da wir die Ursache in der Vergangenheit und die Auswirkungen in der Zukunft gleichzeitig erleben. Ursache und Wirkung in Echtzeit… Faszinierend!
Begegnungen zwischen Raum und Zeit
Dann schreitet sie durch die Tür der Krankenstation: die wunderschönste Frau im Universum, Christine Chapel, gespielt von Jess Bush. Sie passt mit ihrem Stil besser in die sechziger Jahre als die sechziger Jahre in die Zukunft. Ich möchte mich fast zu der Behauptung hinreißen lassen, dass Jess Bush eine reinkarnierte alte Seele ist, die sich noch einmal als Schauspielerin dazu entschlossen hat, die Sixties in dieser Serie neu zu empfinden.
„Manchmal weiß man Dinge erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind.“
…erkennt Chapel. Das ist genau jene philosophische Tiefe, die in dieser Staffel so oft gefehlt hat – auferstanden wie Phönix aus der Asche!
Plötzlich heißt es: Alle Deck für den Aufprall bereit machen! Eine Phrase, die zeitgleich von Pike und Kirk formuliert wird. Sie führt zu einem neuen Treffer, der beide Uhuras in Zeit und Raum vertauscht: Die Uhura aus der Vergangenheit befindet sich nun in der Zukunft und umgekehrt. Verrückt und faszinierend zugleich, doch vor allem schreit mein ganzes Wesen: Das ist Star Trek!
Pike und Kirk bemerken sofort (und das nicht nur anhand der optischen Veränderung), dass hier etwas passiert ist, das sich nicht so einfach erklären lässt. Es folgt die wohl lustigste Szene in der Krankenstation: Die Uhura aus der Vergangenheit im Gespräch mit Jim, der jetzt Captain ist, und sie kann sich kaum zügeln, „Captain, Sir“ und „Jim“ aneinanderzureihen.
Ob ich dem Leser tatsächlich im Detail beschreiben kann, was hier mit wem in welchem Zeitrahmen passiert ist, mag fraglich sein. Was für mich jedoch absolut unfraglich ist: Diese Dialoge, diese Idee und diese Inszenierung sind schlichtweg grandios. Kirk reagiert auf den Namen La’an sehr emotional und mitgenommen, aber wir erfahren nicht, was in der Zukunft mit ihr geschehen ist. Pike spricht in der Vergangenheit mit der Zukunfts-Uhura so wie Kirk in der Zukunft mit ihrer Version aus der Vergangenheit in ihrem Quartier.
Dann folgt die Nahaufnahme auf das Gesicht von Nichelle Nichols – ich meine natürlich auf das Gesicht von Celia Rose Gooding, die ganz genauso aussieht wie Nichelle Nichols. Ich bekomme Gänsehaut in Anbetracht dieses Anblicks: Ist das ein Blick in die Vergangenheit oder in die Zukunft? Ein episches Gespräch, das ich mir noch oft anhören werde, entfaltet sich zwischen den beiden, und Tränen entwichen meinen Augen angesichts der emotionalen Tiefe dieses wertvollen Austauschs.
Ein historisches Treffen und die Geburt im All
Scotty ist tot, aber das sollte eigentlich nicht so sein, wie die Vergangenheits-Uhura richtigerweise erkennt. Die Frage, die weiterhin im Raum steht, lautet: Wie kann man das verhindern?
Eine Schrifttafel an der Wand in ihrem Zimmer enthält Informationen für sie selbst. Sie übersetzt diese und stößt auf eine harmonische Erkenntnis: Der Treffer war keine Anomalie, sondern eine Geburt! Ein Weltraum-Baby steht kurz vor der Entbindung, und nur Uhura kann helfen.
Uhura und ihr zukünftiges Ich müssen nun zur selben Zeit dasselbe tun – auch wenn diese Metaphorik bei temporalen Anomalien schlichtweg irreführend erscheinen mag. Wir bekommen einen epischen „Uhura-läuft-auf-der-Hülle“-Spaziergang. Uhura startet Drohnen von der Außenhülle, um sich selbst orten zu können. Sie wird zur universalen Geburtshelferin, klinkt sich kurzum aus und schwebt in Richtung Ereignishorizont, wo sie dann verschwindet.
Zukunfts- und Vergangenheits-Uhura treffen in wahrlich epischen Momenten aufeinander und führen auf der leeren Brücke der Enterprise einen letzten Abschiedsdialog zwischen Raum und Zeit. Eine Spezies, die nur durch Melodien erkannt und benannt werden kann, lebt außerhalb der Kausalkette. Schließlich werden beide in ihren richtigen Zeitrahmen zurückgeschickt. Scotty kann gerettet werden, und nur Uhura bleibt die Erinnerung an all das Erlebte, wodurch der Kanon geschützt wird.
Ein epischer Kuss dort, wo alles begann – auf der Transporterplattform – zementiert eine phänomenale Episode, die noch sehr lange in der Erinnerung der Zuschauer verweilen wird.
Fazit
EPISCH!!! 11 von 10 Punkten…
„Sternzeit Heute! Nicht morgen und nicht gestern. Die Vergangenheit ist geschehen, die Zukunft steht noch nicht fest. Der einzige Moment, der real ist, in dem wir wirklich leben, ist jetzt. Denn nur das Heute zählt, wie man es verbringt und definiert. Ich denke nicht mehr nur über meine Zukunft nach. Ich habe auch keine Angst vor ihr. Ich habe Glück, hier und jetzt zu sein. Nicht zu wissen, welches Abenteuer auf mich wartet. Denn es nicht zu wissen ist ein Geschenk. Und ein Teil dieses Geschenks ist es, in diesem Moment und in allen weiteren das zu tun, was ich liebe, mit denen, die ich liebe.“
— Nyota Uhura—
LLAP
Kommentare
Kommentar veröffentlichen