Logbuch des Rezensenten: Star Trek: Strange New Worlds – Staffel 4, Episode 9: „Es La’an einmal“
Freunde, es ist schon wieder so weit: Mit der neunten Episode sind wir nun schon fast durch mit der vierten Staffel von Star Trek: Strange New Worlds.
Wie der Titel es bereits vermuten lässt, steht La’ans Charakterentwicklung auch diese Woche mehr oder weniger im Mittelpunkt des Geschehens. „Geschehen“ trifft es ganz gut, denn die Folge öffnet nicht nur mit ihrem persönlichen Computer-Logbuch, sondern auch mit den wunderschönen Gala-Uniformen, die wir aus der unglaublich grandiosen und Star-Trek-würdigen Folge „Ad Astra Per Aspera“ (Staffel 2, Episode 2) kennen.
Ich vermutete beim Sehen dieser ersten Szenen tatsächlich schon, dass dies wahrscheinlich bereits das Highlight der Folge ist. Es roch nämlich schon wieder ganz stark nach einem Genrewechsel, wie er nur in ausgedachten Geschichtsbüchern steht – und genauso sollte es dann kommen.
Game of Thrones des Grauens
Viele Jahre hinweg sagten mir geschockte Serienfans immer wieder ungläubig, dass ich doch Game of Thrones unbedingt schauen müsse, weil dies die beste Serie sei, die jemals produziert wurde. Einen flüchtigen Gedanken war dies tatsächlich wert. Allerdings wiegelte ich immer lächelnd ab und sagte: No way, ich schaue ausschließlich Star Trek, weil ich die Zukunft mit all ihrer Schönheit erfahren möchte – und keine Burgen, Berge, Wälder und vor allem keine Drachen. Wie dem auch sei, mal sehen, was mich in dieser Folge erwartet.
Märchenstunde auf der Flachwelt
La’an bleibt aggressiver denn je, aber im Moment kann sie das, was in ihr schlummert, immer noch relativ gut mal mehr, mal weniger unter Kontrolle halten. Nach einem Gespräch mit Pike und einer Untersuchung später wird La’an weiterhin als diensttauglich eingestuft.
Dann stellt sich ein Planet vor, der aussieht wie die flache Erde (wenn es sie denn geben würde). Spock meint lässig, diesen Planeten dürfte es gar nicht geben. Nach dem Runterbeamen wird klar: Jep, irgendwas ist seltsam. Alles wirkt wie in einer Holodeck-Fabel oder einem Märchen, in dem das real ist, was sonst nur in erfundenen Geschichten Realität wird.
Ich frage mich, warum La’an die Einzige in Außenmissions-Kampfmontur ist und warum Pelia eigentlich unnötigerweise mitgenommen wird? Dies sollte ich zu meinem Glück später noch erfahren.
Das Aufeinandertreffen mit einer alternativen Version von Dr. M’Benga macht deutlich, dass die Besatzung erneut gezwungen ist, Rollen aus dem Kinderbuch Das Königreich Elysien von Benny Russell zu übernehmen. Scheinbar gibt es auf diesem speziellen Planeten von der gesamten Crew Doppelgänger. Warum dieses Szenario zustande gekommen ist und warum La’an hier eine mythische, kosmische Therapiestunde erhält, ist fraglich und wird fragwürdig hergeleitet. Immerhin sagt La’an richtigerweise: „Das ist ja völlig haarsträubend.“ Da sie mehr Haare auf dem Kopf hat als ich, pflichte ich ihr da bei!
Allerdings haben wir ja schon einiges gesehen, das mehr als fragwürdig ist. Deswegen wirkt diese Inszenierung als zwingend konsequenter Wahnsinn, der sich mal wieder den Deckmantel Star Trek zu eigen machen möchte. La’an spielt in diesem ganzen Theaterstück eine Prinzessin, was sie erst ablehnt. Da dies eben ihre Lehrstunde ist, fügt sie sich dem gesamten Setting mehr oder weniger. Die Entscheidungsträger greifen hier das Konzept der Folge Das Königreich Elysien auf, um es in einen neuen Kontext zu setzen.
Chaos auf der Enterprise
Während auf der Planetenoberfläche persönliche Identitäten verhandelt werden, entfaltet sich an Bord der Enterprise ein humoristischer Nebenstrang. Die Märchen-Doppelgänger von Pike (der ängstliche Kämmerer Sir Amand Rauth) und Spock (der dunkle Magier Pollux) flüchten vor der Zornesglut der bösen Königin Neve und schleichen – oder besser gesagt beamen – sich auf das Raumschiff. Es kommt zur Umkehrung des Settings. Da all dies aber viel zu viel ist, rate ich jedem, sich selbst ein Bild davon zu machen.
Die Szenen, in denen die beiden Spock- und Pike-Klone ihre typischen Kommandogesten nachahmen und Catchphrases einüben, gehören aus meiner Sicht zu den besten der Episode. Das erinnert mal wieder an das große komödiantische Talent von Ethan Peck und Anson Mount.
Auf dem Planeten nimmt das Geschehen dramatischere Formen an, als Uhura in ihrer Rolle als Königin Neve ein Zaubermittel der Kräuterfrau Lady Audrey (Schwester Chapel) trinkt und sich in einen Drachen verwandelt. Erst durch das Zusammenwirken von Spocks schwindender Magie und Pikes spürbarem Einsatz gelingt es, die Verwandlung rückgängig zu machen und die gefangenen Crewmitglieder zu befreien.
Mein Highlight: Der Abschied von Pelia
Neben der Aufarbeitung von La’ans Trauma dient die Episode als Bühne für den Abschied von Chefingenieurin Pelia. Da Pelia in der ersten Staffel noch nicht zur Besatzung gehörte, besitzt sie kein vorgefertigtes Äquivalent im Märchenbuch. Sie übernimmt kurzerhand die Rolle des Autors Benny Russell und beschließt am Ende der Handlung, auf der Flachwelt zu verbleiben.
Ihre Motivation: Die unkonventionelle Physik des Planeten zu erforschen und sich einem heimischen Koch anzuschließen. Das wirkt auf mich genauso absurd wie die gesamte Folge und ihr Charakter seit Tag eins. Dennoch fällt mir ein Stein vom Herzen, da ich diesen Charakter so schnell nicht mehr wiedersehen werde und dieser aus meiner Sicht überhaupt keinen Beitrag zur Serie geleistet hat. Diese Entscheidung, Pelia aus der Gesamterzählung herauszunehmen, markiert nämlich den Ausstieg von Darstellerin Carol Kane aus dem Hauptensemble. Dieser Schritt macht die Bahn frei für Legende Montgomery Scott als zukünftigen Chefingenieur.
Fazit
Diese neunte Folge ist für mich das Schlimmste, was Star Trek: Strange New Worlds hätte passieren können. Gerade in Anbetracht der ständigen Genrewechsel wäre wenigstens ein zwei Episoden langes Staffelfinale vonnöten gewesen, um die Kuh vom Eis zu ziehen. Dass man sich dafür entschieden hat, diese Episode so kurz vor dem Finale zu platzieren, ist aus meiner Sicht ein absolutes Desaster. Auch wenn versucht wurde, stark künstlerisch übertrieben eine Charakterentwicklung zu erzwingen, hätte dies in einem weitaus verständlicheren Rahmen passieren müssen.
Ich gebe der Episode 3 von 10 Punkten aufgrund des Aufwands, der betrieben wurde, um diese Inszenierung auf den Bildschirm zu zaubern.




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