Star Trek: Strange New Worlds S4 Episode 8: "Verhältnismäßigkeiten" — Zweitrezension von Daniela
Wieder ganz anders als letzte Woche, geht es dieses Mal bei Star Trek: Strange New Worlds um die harten moralischen Fragen.
Sowohl Captain Pike als auch Commander Una Chin-Riley verlassen die Enterprise mit einem Außenteam, dem sonst noch Christine Chapel, Ensign Uhura und deren Mentee Kadettin A'Sha angehören, um auf einem Klasse-M-Mond einen Notruf zu untersuchen. Da das Signal aus einer Höhle kommt, die die Kommunikation abschirmt, sind sie nicht in der Lage, Kontakt zum Schiff aufzunehmen. Natürlich stellt sich die Situation als Falle heraus: Sie werden von andorianischen Piraten gefangen genommen, die die aktuellen Kommunikationscodes der Föderation erpressen wollen. Als Kadettin A'Sha angeschossen und lebensgefährlich verletzt wird, entschließt sich Uhura, es eigenhändig mit den Andorianern aufzunehmen.
Eskalation auf der Brücke
Unterdessen trifft auf dem Schiff Admiral Simon Reeger ein, der als Kriegsheld verehrt wird und mit Kirks Vater gedient hat. Admiral Reeger übernimmt das Kommando und ernennt den zufällig anwesenden Kirk zu seinem Ersten Offizier, um die Spur eines getarnten Schiffes zu verfolgen, das ein Massaker in einer Föderationskolonie angerichtet hat. Als das Schiff offenbar auf einem Planeten landet, dort aber getarnt bleibt, will der Admiral unter General Order 24 alles Leben auf der Oberfläche auslöschen.
Kirk argumentiert scharf dagegen – immerhin gibt es keine Belege dafür, dass die Bewohner des Planeten etwas mit den Angreifern zu tun haben oder auch nur von ihrer Anwesenheit wissen. Der Konflikt zwischen den beiden eskaliert bis zu einer klaren Meuterei von Kirks Seite. Er verhindert den Angriff letztlich und deckt auf, dass der Admiral bereits über seine Heldentaten im Krieg lügt und hier persönliche Rachemotive verfolgt.
Zwei Stränge, eine Entwicklung
Während die Geschichte in der Höhle eine sehr typische Actionhandlung ist – mit dem offensichtlichen Zweck, sowohl Pike als auch Una vom Schiff zu trennen, um das Brückendrama zu ermöglichen –, war sie dennoch ausreichend gut gespielt und spannend genug, um zu unterhalten. Besonders erfreulich ist die Entwicklung von Uhura, die wir einst als verschüchterte Kadettin kennengelernt haben und die es nun mit einer ganzen Gruppe Andorianer aufnimmt, um ihre Mentee zu schützen.
Die eigentliche Haupthandlung ist natürlich nichts völlig Neues: Auf den ersten Blick muss hier ein klassischer „Badmiral“ aufgehalten werden, der bereits Kirks Vater die Karriere ruiniert hat. Aus dieser Perspektive handelt Kirk als Einziger moralisch richtig, indem er die Auslöschung mehrerer Tausend potenziell Unschuldiger verhindert.
Parallelen zu „Balance of Terror“ und reale Bezüge
Allerdings handelt Admiral Reeger nicht völlig grundlos: Ein getarntes Schiff, das ganze Kolonien auslöscht, stellt eine immense Gefahr für viele Millionen Leben dar. Dass er von dem „Terror“ spricht, den das Schiff verursachen wird, weil es wegen Kirks Eingreifen entkommen ist, lässt uns Zuschauer unwillkürlich an die Klassiker-Episode „Balance of Terror“ (Spock unter Verdacht) denken. Dort sieht sich Kirk erneut einem getarnten Schiff gegenüber – und es bringt vielen den Tod.
Auch das Timing der Folge gibt zu denken: Ist es ein Zufall, dass diese Episode, die uns darüber nachdenken lässt, wie stark man nach einem Terroranschlag zurückschlagen darf, genau in der Woche erscheint, in der wir den 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September begehen?
Fazit
Ich finde es schwierig, diese Folge eindeutig zu bewerten. Man kann sicher argumentieren, dass das Motiv „Badmiral verfolgt eigene Ziele“ schon ein paar Mal zu oft herangezogen wurde. Ich würde jedoch sagen, dass es hier nicht ganz so schwarz-weiß ist.
Die Episode regt zum Nachdenken an: Das Schiff ist entkommen – was werden die Folgen sein? Und wie viel Leid darf man verursachen, um noch größeres Leid zu verhindern? Auch das ist keine neue Frage, aber es war wichtig, uns wieder einmal die Aufgabe zu geben, darüber zu reflektieren. Denn mir fällt es schwer, eine eindeutige Antwort zu finden.
Insofern hat die Folge für mich funktioniert. Sie wird zwar nicht in meiner persönlichen Top Ten landen, aber ich werde sie nicht vergessen. Und Episoden, die einem mit ihren offenen Fragen im Gedächtnis bleiben, sind essenziell für Star Trek.
LLAP Daniela
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