Rezension: Starfleet Academy – Finale „Rubincon“

Oder: Wenn das Omega-Molekül zur Kleber-Leber wird

von charlyonthebridge

Freunde, es ist so weit. Das Staffelfinale von Starfleet Academy steht an, und ich stehe der 10. Episode gegenüber wie ein Kadett seinem ersten Kobayashi-Maru-Test: Mit Angst, Bange und der leisen Hoffnung, dass Spock gleich um die Ecke kommt und schummelt. Ein Finale muss für mich wie ein Warp-Kern-Bruch sein – spektakulär, unvorhersehbar und so gut geschrieben, dass man danach eine Woche Urlaub auf Risa braucht.

Foto: Paramount+


Der Sprung ins Ungewisse

„Rubicon“ setzt nahtlos dort an, wo uns der Cliffhanger hängen ließ. Nala Ake konfrontiert Anisha Mir (die fantastische Tatiana Maslany) auf der Krankenstation der USS Athena. Die Lage ist düsterer als ein Schwarzes Loch ohne Ereignishorizont: Die Föderation ist von Venari-Minen umzingelt. Dass die Discovery nicht helfen kann, weil sie angeblich die Omega-Minen auslösen würde ... nun ja, ich sage mal so: Für ein Schiff, das durch Pilze springt, wirkt diese Ausrede etwas dünn. Aber gut, das Drehbuch ist das Gesetz, und das Gesetz sagt: Die Athena muss es allein richten.

Foto: Paramount+


Versteckspiel und ein Bösewicht auf Sparflamme

Der Kampf im Nebel war visuell ein echtes Highlight – Star Trek in moderner Pracht! Doch dann materialisiert sich Nus Braka. Er mimt den Bösewicht gewohnt humoristisch, wirkt aber leider so bedrohlich wie ein Tribble auf Valium. Wo ist der Biss aus Episode 6? Er entführt Ake und Mir und lässt die Kadetten auf der Untertassensektion zurück.

Foto: Paramount+


Der „geheime“ Befehl von Ake an den Doc war so subtil wie ein Photonentorpedo im Wohnzimmer. Dass Braka den Braten nicht riecht, grenzt an ein Wunder. Der Doc dehnt seine Matrix aus, täuscht eine Explosion vor und ... erleidet eine Fehlfunktion. Sein 1000 Jahre alter Holo-Emitter stottert, und plötzlich spricht der gute Mann nur noch in Rätseln.

Foto: Paramount+

Das Highlight: Jett Reno (Tig Notaro)

Hier muss ich einen Moment innehalten und den Replikator auf „Applaus“ stellen. Jett Reno ist für mich – neben Tarima – das Beste, was das moderne Trek-Universum hervorgebracht hat. Eine Bilderbuch-Ingenieurin: zynisch, cool, ein Genie. Während sie die Kadetten koordiniert, beweist sie, dass man keine emotionalen Tilly-Reden braucht, wenn man Weisheit und trockenen Sarkasmus vereint. Sie ist das Dilithium dieser Serie!

Foto: Paramount+

Schauprozesse und „Brain the crap out of things“

Auf dem Rest der Athena versucht Braka einen Schauprozess. Dass Ake und Mir dort am bekannten Set – also in umgerüsteten Kulissen – flüstern, ohne dass jemand lauscht, war ein kleiner Immersionsbruch. Ein Finale hätte hier ruhig ein paar mehr Credits für eine ganz neue, unbekannte Umgebung oder mindestens ein anderes Schiff-Set springen lassen dürfen.

Foto: Paramount+


Währenddessen im Maschinenraum: Reno lässt die Kadetten „the crap out of things“ brainen. Einziger Wermutstropfen: Der „Blasen-Witz“ von Genesis auf dem Kommandostuhl. Warum muss jeder epische Moment heute durch einen flachen Witz entwertet werden? Da hat wohl jemand zu viel bei Disney Star Wars abgeschaut.

Kleber auf der Leber und die Omega-Lösung

Die Auflösung des Ganzen kam mir fast so schnell vor wie ein Transwarp-Sprung.
Der Doc rät: „Überschreite nicht den Rubicon mit Kleber an der Leber.“
Jay-Den: „Klar, das ist die Lösung für das Omega-Molekül!“

Warum der Doc das weiß und warum die Stabilisierung nach vier Simulationen sitzt? Schwamm drüber. Auch die „Wale-Echoortung“-Nummer von Tarima und Caleb war zwar schön inszeniert, aber am Ende viel zu einfach. Ein moralischer Dialog von Caleb rettet den Tag – Braka muss einknicken, versucht aber noch, die bereits entschärften Moleküle zur Zündung zu bewegen. Die Föderation ist (mal wieder) gerettet.

Foto: Paramount+

Das Fazit: Ein klangweiliger Abgang mit Hoffnungsschimmer

Wäre diese Episode ein Musikstück, wäre sie „klangweilig“. Nichts wirklich Neues, wenig echte Gefahr, und der Cameo der Discovery war leider nur mit der Lupe zu finden. Man merkt, dass die Autoren aus Braka eine politische Parabel machen wollten, statt ihn als echten,gefährlichen Antagonisten stehenzulassen.

Foto: Paramount+


Doch wo bleibt der Hoffnungsschimmer?

Trotz der erzählerischen Abkürzungen und der Vorhersehbarkeit: Die Charaktere leben. Die Chemie zwischen den Kadetten stimmt, und Jett Reno hat uns gezeigt, dass der Geist von Star Trek – dieses gemeinsame Problemlösen gegen alle Widerstände – immer noch pulsiert. Es war kein perfekter Abschluss, aber es war ein Fundament.

Die Serie braucht jetzt eine ausführliche Metakritik, um zu sehen, wohin die Reise geht. Die erste Staffel hat ihre Kadettenprüfung bestanden – mit teilweise genialen Folgen, auch wenn sie bei der Abschlussprüfung ein paar Spickzettel benutzt hat.

Foto: Paramount+

Ich hoffe sehr, dass wir in Staffel 2 eine weitaus reifere und im Gesamtton stimmigere Serie bekommen, die es schafft, neben Charaktertiefe einen stringenten roten Faden durch alle 10 Episoden zu ziehen und aufrechtzuerhalten.

LLAP


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension: Star Trek: Starfleet Academy – Folge 6: „Come, Let’s Away“

Rezension: Star Trek: Starfleet Academy – Staffel 1, Folge 8: „The Life of the Stars“

Rezension: Star Trek: Starfleet Academy – Episode 9 "300TH NIGHT"