Rezension: Star Trek: Starfleet Academy – Folge 5: „Series Acclimation Mil“
Die ersten fünf Episoden von Star Trek: Starfleet Academy sind online – für mich Grund genug, ein erstes Fazit zu ziehen. Ich muss gestehen: Ich habe dieser neuen Serie mit einer Vorfreude entgegengefiebert, die mich wieder wie einen kleinen Jungen fühlen ließ. So ging es mir damals vor The Next Generation, Deep Space Nine, Voyager oder in jüngerer Zeit bei Discovery, Picard und Strange New Worlds. Auch wenn ich kein kleiner Junge mehr bin, bleibt dieses Kribbeln: Wird mir die Serie gefallen? Kann ich mich mit den Figuren identifizieren?
Der erste Trailer versprach bereits ein optisches Spektakel. Seit Discovery liefert uns das Franchise visuell eine kinoreife Qualität, und Starfleet Academy (kurz: SFA) bleibt dieser Linie treu. Doch noch bevor die erste Folge über den Bildschirm flimmerte, ging es wieder los: das Gejammer und der Hate.
„Das ist nicht mehr mein Star Trek“, heißt es dann oft. Meine ehrliche Antwort: Wen kümmert’s? Besonders absurd wird es bei der Kritik an Alex Kurtzman. Ihm vorzuwerfen, er würde das Franchise „zerstören“, während Paramount seinen Vertrag über zehn Jahre hinweg immer wieder verlängerte, ist unlogisch. Wer die Serie hasst, sollte sie einfach nicht schauen. Nutzt die Zeit für Freunde (falls vorhanden) oder Familie! Wer nur schaut, um zu hassen, generiert am Ende trotzdem Traffic und bezahlt (meistens) sein Abo bei Paramount+ – er unterstützt also genau das, was er ablehnt. Reinhard Prahl hat mir in seinem Artikel auf PlanetTrek.de dazu wirklich aus der Seele gesprochen – nein, mehr noch: Er hat mich dazu inspiriert, meinen eigenen Beitrag zu schreiben (wenn auch nicht so eloquent).
Nach den ersten fünf Episoden kann ich bereits sagen: Ich mag die Serie nicht nur, ich liebe sie! In meinem persönlichen Ranking steht sie aktuell sogar über Strange New Worlds.
Was macht SFA in der ersten Hälfte der Staffel so richtig? Für mich ist es vor allem die perfekte Balance zwischen dem „Sense of Wonder“ (womit ich keine fremden neuen Welten meine) und einer tiefgreifenden Charakterstudie. Die Serie schafft es hervorragend, sowohl uns alte Hasen als auch eine völlig neue Generation abzuholen (wenn man sich darauf einläßt). Einsteiger können die Abenteuer im 32. Jahrhundert genießen, ohne vorher ein Diplom in Föderationsgeschichte abgelegt zu haben. Gleichzeitig streuen die Macher so viele liebevolle Details ein, dass ich mich als alter Kenner sofort zu Hause fühle.
Besonders beeindruckt hat mich bisher die überzeugende Darstellung des Casts. Die jungen Schauspieler verleihen ihren Kadetten eine Tiefe, die über das übliche „Coming-of-Age“-Niveau weit hinausgeht. Man nimmt ihnen die persönliche Entwicklung, die Ängste und den Ehrgeiz in jeder Szene ab. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Serie aktuelle, jugendrelevante Themen organisch in das 32. Jahrhundert integriert. Selbstfindung, die Suche nach der eigenen Identität und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens werden hier nicht einfach nur abgehakt, sondern bieten dem jungen Publikum echte Identifikationsmöglichkeiten.
Dass die Serie dabei gesellschaftskritisch bleibt und Diversität als absolute Selbstverständlichkeit zelebriert, gibt mir persönlich viel Hoffnung. In einer Welt, die oft gespalten wirkt, zeigt SFA eine positive Zukunftsvision, in der jeder Mensch – egal wie er, sie ioder „xiem“ sich definiert – Platz findet.
Ein schöner Nebeneffekt: Wer nach den ersten Folgen und unzähligen Anspielungen auf frühere Serien Lust auf mehr bekommt und tiefer in bestimmte Spezies oder Epochen eintauchen möchte, findet auf Paramount+ fast die gesamte 60-jährige Geschichte des Franchises – leider ohne Prodigy. Ein Luxus, den ich mir in meiner Jugend gewünscht hätte!
Starfleet Academy zeigt nach fünf Folgen eindrucksvoll, dass Science-Fiction nicht nur unterhalten, sondern auch inspirieren kann.
Ich erinnere mich noch gut an die Veröffentlichung von Picard Staffel 2, die ich regelmäßig mit Freunden im Alter von 30 bis 40 Jahren geschaut habe. Sobald die Borg auftauchten, endete der Abend oft in einem regelrechten Vortrag meinerseits, der mich später zu meinem Borg-Video inspirierte – gefolgt von einem Marathon alter Borg-Episoden und dem Film First Contact. Heute sind einige dieser Freunde begeisterte Fans und holen Jahrzehnte an Content nach.
Genau diesen Funken versprüht auch Starfleet Academy: Sie weckt Interesse, hält das Franchise lebendig und lädt neue Zuschauer ein, tiefer einzutauchen. Die Serie verbindet Generationen und transportiert mit viel Herz den Kern von Star Trek ins 32. Jahrhundert. Ich freue mich schon riesig auf die nächsten fünf Episoden – STAR TREK LEBT! (Weiter!)
Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Wandel im Fandom: Das ursprüngliche Publikum wird altersbedingt kleiner, während eine neue Generation heranwächst. Viele der heutigen Fans sind erst mit The Next Generation ins Franchise eingestiegen und haben kaum Berührung mit der klassischen Star Trek-Serie, oder kann mir jemand erklären, warum wir die Marschmelonen, nachdem wir sie über dem Lagerfeuer geröstet haben, anschließend wieder aufessen?
LLAP Michael Schuh
Kommentare
Kommentar veröffentlichen